Donnerstag, 13. März 2014

Persönlichkeitsscherben

Kalte Welt,  düster und grau.
Geliebt vom Hass, verlassen von dem, was mich einst zu meiner Selbst werden lies.
Wo bin ich hin? Meine Persönlichkeit?  Zu wem bin ich geworden?
Gestik, Mimik, Charakter. .. verschlungen in einer ewig währenden Zeitspanne,  die mich - Stück für Stück,  immer mehr in meine Einzelteile spaltet, weiter und weiter,  bis ich nur noch aus einem zerfallenen Haufen Persönlichkeitsscherben bestehe. Eiskalter Wind weht durch meine gespaltene Hülle, fegt die Splitter in dunkle Ecken,  schwarze Gefilde, und sie verschwinden für immer.
Mein Verstand verschwimmt, ich versuche mit blinden Händen mich selbst wiederzufinden.  Meine Finger greifen ins Leere, immer wieder,  bekommen nichts zu fassen, zittern. Durch meinen Kopf wirbeln Tornados,  zerstören meinen Willen,  meinen Mut, meine Kraft.
Blind irre ich umher, weine Tränen der Verlorenheit, schreie. (Schreie, schreie...)
Benommen nehme ich wahr, wie sich mein Körper aufzulösen droht.  Schneller und schneller. Hektisch taste ich nach meinen Scherben,  kleinen, absterbenden Teilen meiner Seele,  finde nichts. (Ich vergehe
...)
Panik ergreift den letzten Rest meines Verstands. Im kalten Leuchten des an mir zerrenden Nichts rappele ich mich hoch und renne, renne um mein Leben,  reiße aus Personen,  die mir entgegen kommen kleine Teile ihrer Persönlichkeit heraus,  umklammere sie mit so festen Griff, dass meine Faust anfängt zu bluten.
Ich  beginne zu sammeln,  jene Teile meiner verlorengegangenen Seele und verwahre sie fest im meinem Kopf,  kette sie an, doppelt und dreifach.
Ich komme zurück,  langsam. Die Tornados verschwinden,  hinterlassen ein Chaos in meinem Schädel,  dass ich selbst in ein paar Jahren nicht aufzuräumen vermag.
Meine Persönlichkeit - gefüllt mit Gesten und Charakterzügen, die nicht meine sind.
Atmen. Ich muss atmen.
Schließe die Augen. Verlasse meinen Körper.
Um für kurze Zeit nach mir selbst zu suchen.
In den schwarzen Gefilden,  den dunklen Ecken - dort,wo ich mir einst verlorengegangenen bin.
So schwebe ich durch mein Leben und beginne mit Schmerz in den Augen meine Suche.

Montag, 10. März 2014

Chaos im Kopf - Teil 3


Chaos im Kopf – Teil 3
Sie verschwinden einfach nicht – geschlagene drei Wochen geht es nun schon so.
Die Müdigkeit wird zum Alltag, Versagensängste zur Realität.
Ich kann einfach nicht schlafen. Die Nacht empfängt mich mit brennenden Augen. Erschöpfung schwächt mich bis ins Knochenmark. Doch sobald ich in meinem Bett liege und die sonst so angenehme Dunkelheit in mich eindringt, liegt meine Körperkontrolle plötzlich auf Eis. Gedanken werden durch meinen Kopf geschleudert – tausende Emotionen schwirren durch meinen Körper. Meine Sinnesempfindungen spitzen sich zu, mit einem Mal nehme ich jedes kleinste Geräusch wahr, jede Lichtveränderung, jeder Geruch, jeden kleinsten Windhauch, so lange, bis mich der Schlaf endlich zu fassen bekommt und mir für wenige Zeit die drückende Erschöpfung von guten 168 Stunden von den Lidern genommen wird.
Ich schlafe. Doch die ersehnte Erholung tritt nicht ein. Denn sie kommen. Angstzustände. Zittern. Keuchen … Alpträume. Sie rauben mir die Ruhe, durchforsten meine Erinnerungen und verwenden sie gegen mich. Meistens bin ich schon bei Bewusstsein, obwohl ich noch nicht wach bin. Ich werde in meinen Träumen festgehalten, muss sie ertragen, trotz dass ich weiß, dass all das nicht real ist. Dann, wenn mein Wecker klingelt und ich meine Augen öffne, ist mit einem Schlag meine Müdigkeit wieder da. Ich quäle mich aus meinem Bett, unmotiviert auch nur irgendetwas zu tun, außer weiterzuschlafen – mit der Voraussetzung endlich Erholung zu finden, auch wenn ich weiß, dass es nicht so sein würde.
Hunger? - Habe ich nicht. Doch essen tue ich trotzdem was – nur, um soweit auf die Beine zu kommen, dass ich packe, in die Schule zu gehen.
Sie geben mir Medikamente. Dann, wenig später, mit einer Kippe in der Hand auf dem Schulweg. Auf andere Gedanken kommen. Abreagieren. Durchatmen.
Meine Konzentration ist im Arsch – ich versuche, mich auf Mathe zu konzentrier'n, doch mein Kopf macht, was er will. Nach sechs Stunden auf dem Weg nach Hause. Erschöpft, müde, ausgelaugt. Ich lege mich hin, nur für eine Stunde. Doch wieder plagen mich Alpträume und nehmen mir die Erholung.
Ich brauch Kaffee. Luft. Nikotin.
Mein Körper erholt sich nicht mehr.
Ich versuche, die Lautstärke auszuhalten, die Zickereien zu ignorieren und meine Wut abzubauen, bevor sie aus mir herausbricht.
Abend. Tun, was zu tun ist.
Essen. So viel wie nötig.
Medikamente. Mehr als genug.
Die Müdigkeit ignorieren, und – wie immer, mit brennenden Augen den Lichtschalter der Welt ausschalten und auf Erholung hoffen.

Samstag, 11. Januar 2014

Meeresrauschen

Es ist still. Druck liegt auf meinen Ohren. Ich stehe in Leere, Dunkelheit, ein Mantel aus Schwärze und Trübsal. Meine Augen sind geschlossen. Ich befinde mich im Nichts. Keine Sinne. Einzig und allein umgeben von der schwebenden Atmosphäre, die ich weder spüren, noch hören, noch sehen, noch riechen kann. Mein Atem geht langsam. Bin weder angespannt noch entspannt, weder aufmerksam noch abgelenkt. Ich höre auf meinen Atem. Stille. Langsam öffne ich die Augen. Dunkelheit. Ich bewege den Kopf. Überall um mich herum. Leise und vorsichtig drehe ich mich um mich selbst. Noch immer liegt ein dumpfer Druck auf meinen Ohren, doch er zieht sich langsam zurück. Die Schwärze beginnt sich, zu verkriechen, leise und mit Bedacht, als wollte sie versuchen, mich nicht zu stören. Es wird hell. Von Sekunde zu Sekunde ein Stück mehr, aber ohne Konturen anzunehmen. Keine Gestalten. Nur dunkles Grau, dass mehr und mehr zu hellem Grau, zu Weiß wurde. Aus der endlosen Schwärze wurde gleißende Helligkeit. Ich kniff die Augen zusammen,. hörte auf zu atmen. Der Druck auf meinen Ohren war fast nicht mehr zu spüren. Ich begann, unruhig zu werden. Die Leichtigkeit in meinem Gehör verwirrte mich. Noch immer war es still, aber auf eine andere Art. Sie hätte mich beruhigen sollen, doch ich wurde immer nervöser, trat ständig vom einen Fuß auf den anderen. Irgendwie gab sie mir das Gefühl, dass etwas passiert. Etwas, was mich aus dem Konzept bringen würde. Und als hätte sich dieser Gedanke verselbstständigt, geschah es. Anfangs hörte ich es kaum. Es kam mir vor wie die üblichen Hintergrundgeschräusche an einem normalen Tag, wie das Rauschen der vorbeifahrenden Autos auf der Straße oder das Rascheln der Blätter von Bäumen im Wind, doch da es das einzige Geräusch um mich herum war, konnte ich mein Gehör nicht davon abwenden. Ich blieb an dem Geräusch hängen wie ein Insekt im Netz einer Spinne. Ich hätte es mit dem Geräusch eines verstellten Radiosenders vergleichen können, doch irgendetwas störte mich an der Vorstellung. Irgendetwas ... nach wenigen Minuten erkannte ich es. Das Rauschen um mich herum wurde lauter und vermischte sich mit dem Pfeifen des Windes. Rhythmisch kam und ging das Rauschen, wurde lauter, und wieder leiser. Ich begann, Salz zu schmecken, spürte den Wind, der an meinen Haaren zerrte, mich nach vorne trieb. Unbeholfen taumelte ich ein paar Schritte vorwärts, die Augen nach wie vor feste zusammengekniffen. Das Geräusch nahm voll und ganz meine Aufmerksamkeit in Besitz, ich hörte immer und immer wieder genau hin, wie sich das Rauschen entfernte und wieder näher kam. Weg. Nah. Weg. Nah.
Das Pfeiffen des Windes wurde stärker, kräftiger, nahm mich mit, zog mich mit ins Unbewusste. Meine Augenlider flatterten, zwischen grellem Weiß blitzen für Sekundenbruchteile Blaues Schäumen und Besch - farbene Bildabrisse auf. Irgendwas wehte mir ins Gesicht. Es war rau und körnig. Ich schlug mir die Hände vor die Augen und versuchte, mich vor dem Ansturm von Wind und Schmerz zu schützen. Immer wieder riss mir der Wind beinahe den Boden unter den Füßen weg und ich taumelte und taumelte und taumelte, konnte mich kaum auf den Beinen halten. Das Rauschen in meinen Ohren. Der Geschmack von Salz auf meiner Zunge. Der Wind, der mir scharf ins Gesicht peitschte. Mit einem Mal war alles vorbei. Leicht in der Hocke, die Arme schützend vor den Augen stand ich da, als ich mit einem Mal mein Gleichgewicht wiederfand, meine Haare vom Wind losgelassen wurden, die langsam ihren Platz auf meiner Schulter einnahmen. Vorsichtig nahm ich die Hände vom Gesicht und rieb mir über die Augen, die sich wie von selbst öffneten. Kleine, unscheinbare, stille Tränen schlichen über meine Wangen, während ich da stand und den strahlendblauen Himmel beobachtete. Ein wenig zittrig fuhr ich mir durchs Haar und sah nach unten. 50 Meter unter mir brandete das Meer, schlug hart gegen die Felsen. Ich musste schwer schlucken und riss den Kopf Richtung Himmel. Meine Lippen zuckten, ich unterdrückte den Drang, loszuschluchzen, schloss die Augen und lies die Erinnerung auf mich einströmen.
Ein warmer Tag, seichter Wind. Ich war drei, vielleicht vier, lief in schnellen, hastigen Schritten durch den Sand. Ich lachte. Großvater hatte die Kamera dabei. Filmte, wie ich richtung Meer lief, hinfiel, mich zu ihm umdrehte, schelmisch in die Kamera grinste, aufstand und weiterging. Meine Schritte verlangsamten sich, als ich das Wasser erreichte. Ich ging behutsam ein, zwei Schritte durchs Wasser. Mied die Stellen, wo Algen still vor sich hin schwebten, spürte die Kühle Nässe um meine kleinen Beinchen herum. Ich blieb stehen und sah nach vorne. Hinaus in die endlose Weite. Blau. Rauschen, sog die Luft ein und atmete mit einem Kichern aus. Genauso lieb ich stehen, solange, bis Großmutter mich rief und ich in ihre Arme lief, sah, wie sie mir ein paar schweißverklebte Strähnen aus dem Gesicht strich und die Erinnerung langsam verschwand.
Meine Hände verkrampften sich jede Sekunde ein wenig mehr. Tränen strömten ungehalten über meine Wangen, das Rauschen des Meeres unerträglich in meinen Ohren. Ich hatte das Meer immer geliebt. Eine weitere Erinnerung schoss auf mich ein.
Ich war älter. Vielleicht 14 oder 15. Meine Augen waren ausdruckslos. Meine Haare wehten mir ins Gesicht, aber es störte mich nicht sonderlich. Ich sah mich um. Überall Menschen, kleine Kinder, die Frisbee spielten oder alte Pärchen, die sich auf einem Handtuch sonnten. Mein Blick schwebte umher, nahm alles in sich auf. Im Wasser befand sich eine kleine Gruppe von Jugendlichen. Zwei von ihnen waren auf einem Schlauchboot unterwegs. Der Rest saß eng beisammen auf einer Plattform knapp 50 Meter vom Strand entfernt. Ich hörte sie kichern und lachen, beobachtete sie. Eines der Mädchen stand auf. Sie war schlank und hatte lange, blonde Haare. Sie schlich hinter einen Jungen, der sich grade aufrichtete, nahm ein wenig Anlauf und sprang auch ihn zu. Just in dem Moment drehte sich der Junge um. Ich hörte, wie er aus Spaß aufschrie und sie sich an ihm festklammerte, ehe sie gemeinsam ins Wasser stürzten. Als ich bemerkte, wie sie sich mitten im Flug küssten, sah ich weg. Auf den Boden. Kälte machte sich in meiner Brust breit. Mir war klar dass ich nie so etwas hatte und ich auch nicht wusste, ob ich jemals so etwas haben würde. Der Gedanke ging, ich drehte mich um und verschwand hinter der Düne, als die Erinnerung endete. Mein Herz pochte so laut in mir, dass ich das Gefühl bekam, es wurde gleich mit einem Schmerzensschrei aus meiner Brust hüpfen. Meine Augen waren rot und geschwollen. Ich sah unscharf durch die Tränen, sah nicht wohin ich ging, setzte langsam, vorsichtig, einen Fuß vor den anderen. Der Wind nahm wieder zu, schob mich nach links. Nach dem sechsten Schritt spürte ich keinen Halt mehr unter meinen Füßen, merkte nur noch, wie ich mit dem rechten Fuß zuerst über die Kante der Klippe glitt und ich leise, in Zeitlupe, das Festland über mir kleiner werden sah. Ich wollte meine Augen schließen, doch sie blieben offen, wollte das Salz nicht mehr schmecken, doch konnte es nicht, sondern schwebte immer schneller dem Rauschen des Meeres entgegen, bis es mich für immer in sich verschlang und der dumpfte Druck und die trübselige Schwärze wieder seinen Platz in mir einnahm.
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Hallo, ihr lieben.
Dieser Text hat eine ganz besondere Bedeutung für mich.
Ich habe ihn auch nicht nur aus Spaß oder Lust geschrieben, sondern, damit mehr Menschen verstehen können, was gewisse Geräusche in mir auslösen können.
In diesem Falle geht es wie ihr wohl bereits bemerkt habt, um das Rauschen des Meeres.
Der Text hat keinen Geschichtlichen Sinn, sondern dient als Methapher für meine Gedanken, wenn ich dieses Geräusch höre.
Ich habe diesen Text geschrieben, damit sich meine Therapeutin ein Bild machen kann, nachdem ich in der Entspannungsgruppe eine stille Panikattacke durchlitten habe.
In Hoffen dass mir der Text in der Therapie hilft. - Melody

Dienstag, 8. Oktober 2013

Longing

Manchmal reichen nur wenige Worte, um einem Leben alle Farben zu nehmen. Es ist kalt, nass und grau. Die Welt scheint wie erstarrt, ihre Krallen um dich geschlungen , damit du bloß nicht diesem grausamen Moment entfliehen kannst. Meine Gedanken sind Matsch, und sie sind immer nur bei ihm. Egal was ich versuche, egal was ich mache. Alles andere rieselt als kleine Staubkörner durch einen Sieb und landet im Nichts. Die Gedanken an ihn, groß wie Steine, bleiben im Sieb hängen und es werden immer mehr, je länger ich an ihn denke. Vermissen ist das fürchterlichste Gefühl der Welt. Man lässt sich durch nichts ablenken und das Herz fühlt sich an, als hätte man tausende Messer durchgestochen und es daraufhin zerrissen als sei es ein Stück wertloses Papier. Sobald ich die Augen schließe, sehe ich ihn. Seine wunderschönen, blauen Augen. Seine Lippen, wie er mich anlächelt. Ich höre seine Stimme. Sie ist so unverkennbar. So einzigartig. Ich stelle mir vor, wie es jetzt wäre, mich an ihn kuscheln zu können und seinen Geruch einatmen zu können. Und jedes Mal wird mir dabei mehr und mehr klar, dass es nie wieder so sein wird. Nie wieder. Es tut so weh. Ich habe inzwischen weder Hunger noch Lust auf sonst etwas. Ich wandle vor mich hin wie ein Zombie, Gefühlslos, keine Ahnung von Glück und Liebe. Die Klinge hat wieder ihren Weg zu mir gefunden. Sie hat mir ein klein wenig Farbe und Ablenkung in der Trostlosigkeit geschenkt. Und jetzt? Jetzt sitze ich hier, immer noch allein und verlassen, mit Metallstäben im Bein und trotzdem ist nichts besser geworden. Ich bekomme meine Gedanken einfach nicht unter Kontrolle. Immer noch sehe ich nur ihn, ihn, ihn... Wenn ich doch wenigstens etwas Weinen könnte. Vorgestern hat es so gut getan alles herauszulassen, ich habe einfach in dem Armen von dem Menschen gelegen, der immer für mich da war, und geweint, geweint und geschrien, einfach diesen ganzen Schmerz, der in mir drin war, herausgelassen. Jetzt ist das alles wieder vorbei. Wieder einmal kommen nur die altbekannten, trockenen Tränen an die Oberfläche und das Drückende Gefühl meines Herzens, dass sich in mir drin windet und kreischt und um sich schlägt bis es eines Tages erschöpft in Ohnmacht fallen wird. Ich will zu ihm. Ich will dass er mir durchs Haar streicht und mir zuflüstert, dass alles gut wird. Aber es wird nie wieder so sein. Manchmal spüre ich noch immer seine Lippen auf meinen und seinen liebevollen Blick, wenn er mich ansah. Er fehlt mir so. Bitte Welt, ich bitte dich, nimm mir meinetwegen alles was ich habe, alles Geld und alles Glück, aber bitte, bitte gib ihn mir zurück...

Dienstag, 3. September 2013

Zwischen Körper und Psyche




Ich bin unruhig. Zittern. Das Gefühl dass etwas durch meine Arme schleicht und sie ruhelos macht. Druck im Kopf, keine Kopfschmerzen, einfach nur das Gefühl dass mich etwas erdrückt. Kreislauf schlichtweg am versagen. Keine Konzentration, kein gar nichts. Ich muss mich bewegen, die ganze Zeit. Kann weder Klavier spielen, noch zeichnen. Immer wieder fangen meine Hände wie verrückt an zu Zittern und ich rutsche plötzlich ab. Der entspannende Klang von Amelie verstummt zwischen wahllos gedrückten Tasten, die Zeichnung eines Mädchens, verunstaltet von einem gezackten Strich mitten durchs Blatt. Immer wieder an die Schläfen fassen und zudrücken. Druck ohne Ende. Endloses Denken an etwas, was mir nach wenigen Sekunden wieder entfällt. Spüren, dass die Krankheit wieder in mir wächst. Doch ist sie rein körperlich? Langsam aber sicher bekomme ich das Gefühl, dass sich etwas psychisches dazumischt. Innerliche Unruhe, gedankenloses Denken und eine unbekannte Angst zwischen den altbekannten Symptomen. Zittern, Kreislaufversagen, Kopfschmerzen und Rhythmusstörungen beim Atmen. Ich will das alles nicht wieder ertragen müssen. … deine Chancen stehen fifty fifty, dass du für immer gesund bleibst... Chance vertan. Erst Übermorgen die Möglichkeit, es überprüfen zu lassen. Was, wenn es morgen schlimmer wird? Es ist schon jetzt kaum mehr auszuhalten. Ich muss etwas essen – keinen Hunger. Weder die Kraft zum entspannen noch für sonst etwas vorhanden. Hoffen, dass es wenigstes morgens besser ist. Ich muss die Schule überstehen und darf nicht fehlen. Nein, Nein, Nein. Meine Zukunft hängt allein von diesem Jahr ab. Ich muss mich ablenken, doch wie? Ich kann nicht aufhören, an meinen Fingern herumzuspielen oder über meine Arme zu fahren. Ich bin unruhig. So unruhig. Ich sollte schlafen. Mich ausruhen. Vielleicht geht es mir dann besser. Was, wenn nicht? Hör auf, darüber nachzudenken! Ruhig bleiben, ganz ruhig.
Schlafen gehen und hoffen. Einfach nur hoffen...


Freitag, 23. August 2013

Gefühlskrieg

Sehnsucht.
Drückende Leere in meinem Herzen.
Angst.
Glücklich sein.
Zwei gegensätzige Gefühle, die einander angreifen, ohne Rücksicht auf meine innerliche Stabilität zu nehmen.
Es tut weh. Es tut so weh.
Kämpfen. Doch welches Gefühl gewinnt? Welches ist stärker?
Die Angst, Einsamkeit, Verlorenheit, Betrübtheit und der Schmerz? Das Glück, die Liebe, die Hoffnung und Zuneigung?
Immer wieder prallen sie aufeinander, winden und drehen sich. Jedes Mal, wenn zwei gegensätzige Gefühle aufeinander treffen, fühlt es sich an, als würde man mir mit aller Kraft in den Magen boxen. Mir wird übel, ich habe das Gefühl mich übergeben zu müssen.
Im Sekundentakt wechselt es zwischen Lachen und Weinen, zwischen Hoffung und Verlorenheit, zwischen Schmetterlingen im Bauch und Wespen im Kopf.
Es erschöpft mich.Macht mich kaputt. Innerlich sowie äußerlich.
Ich weiß nicht, wie lange dass noch gut gehen soll.
Wie lange ich mich noch unter Kontrolle habe.
Es wird jeden Tag schlimmer, immer ein kleines bisschen unerträglicher.
Irgendwann reicht Ablenkung und haufenweiße Nikotin nicht mehr aus.
Was, wenn es soweit ist? Was tun?
Ich will nicht wieder so weit fallen, dass es hier nicht mehr funktioniert.
Ich darf die Kontrolle einfach nicht verlieren.
Weder ritzen, noch nichts mehr essen, noch mich zu oft abschießen, egal auf welche Art und Weise.
Ich muss es einfach schaffen. Eine andere Möglichkeit habe ich nicht.
Ich muss.

Samstag, 3. August 2013

Im Zwang der Angst

Sie kommen und gehen, wann sie wollen - Angstzustände und das, womit sie verbunden sind. Ich hatte bisher nicht viel Erfahrung mit meiner emotional - instabilen Persönlichkeitsstörung, doch die jetzige Segelwoche hat mir gezeigt, wie heftig es sein kann und wie hilflos man für sich selbst ist. Auch, wenn das Segeln gerade etwas ist, wo man viel selbst regeln muss und es bestimmte Risiken gibt, ist gerade dass - seine Grenzen erreichen - etwas, was einem hilft, mit seiner Angst mehr und mehr, in kleinen, aber bedeutenden Schritten, klarzukommen.
Eigentlich will ich dieses Gefühl nie wieder erleben. Dass, was man während des Anfalls empfindet, ist die reinste Höllenqual. Es beginnt damit, dass man nervös wird. Man versucht noch darüber nachzudenken, was zu machen ist, spürt aber schon leichte Angst in sich aufkommen. Ändert sich an der Situation nichts, wird die Angst größer. Man wird zappelig, fängt an zu zittern, versucht fieberhaft etwas an der Lage zu ändern, ohne darüber nachzudenken, was man eigentlich tut.
Kühlen Kopf bewahren? - unmöglich.
Die Situation spitzt sich zu, durch die anfängige Panik gerät alles noch mehr aus dem Ruder. Dann ist sie plötzlich da, die nackte Angst.
Der Kopf schaltet aus, die Atmung wird schneller und schneller, immer unregelmäßiger und kommt stoßweiße. Man hört nicht mehr zu, denkt nicht mehr, kommt nicht mehr raus aus den Zwängen der Todesangst. Die Tränen fließen ohne Ende, man schreit nur noch, immer und immer wieder. Es gibt weder Kontrolle über das Denken, noch über das, was man tut. Gäbe es keine Hilfe und hätte man nicht schon etwas Übung darin, aus solchen Situationen herauszukommen, wüsste ich nicht, wie das ausginge. Ich bin froh, mich jedes Mal wieder so weit runterfahren zu können, dass ich die Kontrolle über mich zurückgewinnen konnte. Und ich weiß, dass ich nach jeder Panikattacke etwas besser damit klarkommen werde. Ich stehe noch ganz am Anfang, doch ich habe schon viele Hürden übersprungen.
Angst hat gute und schlechte Seiten, und beiden Seiten bringen uns Schritt für Schritt mehr über sie bei und helfen uns, sie zu verstehen.




Menschen mit einer emotional - instabilen Persönlichkeitsstörung erleben Ängste viel stärker und näher als Menschen ohne diese Krankheit. Es ist ein schwerer und langer Weg, um mit den Ängsten und deren Panik klarzukommen und irgendwann mal normal mit ihr Leben zu können.